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Gedenkabend für Paul Wühr in Passignano sul Trasimeno

Die Stadtverwaltung Passignano lädt für Samstag, den 25. Februar 2017 um 18:00 Uhr in den Rathaussaal zu einer Veranstaltung in memoriam Paul Wühr ein.

Nach Grußworten von Bürgermeister Ermano Rossi spricht Kulturreferent Claudio Bellaveglia über den langjährigen Mitbürger. Sodann liest Nanni Cagnone, der Herausgeber der italienischen Ausgabe von Sage, einige der von Antonio Rossi übertragenen Gedichte Paul Wührs. Danach wird ein von Peter Laemmle anlässlich des Kritikerpreises des Südwestfunk im Juli 1989 in Passignano gedrehter Film gezeigt. Die italienische Übersetzung spricht Lorenzo Valoriani.

“Faschang Garaus”

Am Dienstag, den 28.02.2017 um 20:10 Uhr sendet der Deutschlandfunk Paul Wührs O-Ton-Hörspiel Faschang Garaus (WDR, 7. 2. 1989).

“Niemand wird dem Karneval – dem jahreszeitlichen Fest – irgendeine Erneuerung zutrauen; an einer Dekuvrierung kann also im Ernst niemand Spaß haben. Dieser Fasching (1987) dekuvrierte sich – wie viele vorherhinkende – selbst oder vielmehr mit sich selber die Zeit, in der er sich herumschleppt. lch hatte auch nicht vor, den Münchener Fasching zu dokumentieren, er liefert nur das Basis-Material. Auf das Prinzenpaar, insbesondere auf Inthronisation und Exthronisation wurde alles Tonmaterial konzentriert, in Form der Figuration einer verwirrenden Chronik. Kein Anfang also am Anfang, kein Ende am Ende, aber aus Ende und Anfang, Faschang und Garaus, ergibt sich das Ganze.” (Paul Wühr)

Die Kölner Paul-Wühr-Ausstellung in der Bibliotheca Speck: „Wenn ich schreibe, atme ich in der Poesie“. Ein Bericht von Andreja Andrisevic

Vom 9. November 2014 bis zum 1. Februar 2015 war in der Bibliotheca Reiner Speck zu Köln die Ausstellung „Wenn ich schreibe, atme ich in der Poesie“ [1] zum Gesamtwerk von Paul Wühr (1927-2016) zu sehen. Ausgerichtet wurde die Ausstellung im Auftrag der Paul-Wühr-Gesellschaft, die Kuratoren waren die Verfasserin dieses Berichts, Thomas Betz, Prof. Dr. Wolfgang Lukas und Arthur Pyrskala, Gastgeber war der Kunstsammler, Mediziner und Publizist Prof. Dr. Reiner Speck. Die Gesamtschau auf das umfangreiche Werk Wührs war unterteilt in die Sparten Hörpoem, Gedichtpoem und Prosapoem. Im Fokus stand dabei – die Benennungen deuten es bereits an – das Phänomen der Gattungsüberschreitung in Wührs Werk, aber auch dessen Potential zu Norm- und Tabu-Bruch. Über diese drei gattungsspezifischen Abteilungen wurde außerdem der ausgeprägten Intertextualität in Wührs Schaffen eine eigene Sektion gewidmet, so dass sich die Ausstellung in insgesamt vier thematische Hauptblöcke gliederte. Weiterlesen

Paul Wühr ‚Der wirre Zopf’

Im Passauer Pegasus. Zeitschrift für Literatur. Heft 50 (2015), S. 77 – 90 ist ein Auszug aus Paul Wührs umfangreichem Prosa-Projekt Der wirre Zopf mit einer Vorbemerkung von Volker Hoffmann erschienen.
Beziehen können Sie das Heft zum Preis von 12.- Euro bei Karl Krieg, Wörthstr. 8, D-94032 Passau. Email: passauer.pegasus@gmx.de

Paul Wühr – Ausstellung in Köln

Wenn ich schreibe atme ich in der Poesie – Paul Wühr

9. November – 2. Februar 2015 in der Bibliotheca Reiner Speck

Kämpchensweg 58 (Zufahrt über Eschenallee) 50933 Köln-Müngersdorf
Straßenbahnlinie 1, Haltestelle Rheinenergie-Stadion, 5 Minuten Fußweg

Kuratoren: Andreja Andrisevic, Thomas Betz, Wolfgang Lukas, Arthur Pyrskala

Zur Ausstellungseröffnung mit Autorenlesung am Sonntag, den 9. November 2014 um 11 Uhr c.t.  sind Sie herzlich eingeladen. Es sprechen Rainer Speck, Wolfgang Lukas und Sabine Kyora. Den Festvortrag Von der Poesie republikanischer Rede hält Herbert Wiesner.

Plakat der Ausstellung

Foto © Isolde Ohlbaum

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Heimrad-Bäcker-Preis 2014 für Paul Wühr

Der diesjährige mit 8000 Euro dotierte Heimrad-Bäcker-Preis wird Paul Wühr verliehen. Den Förderpreis erhält Andrea Winkler. Der Jury gehörten Franz Josef Czernin, Thomas Eder und Christian Steinbacher an. Die Laudationes hält der letztjährige Preisträger Christian Steinbacher.

Übergeben wird der Preis am Dienstag, den 3.6.2014 um 19.30 Uhr im StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, A-4020 Linz

Begründung der Jury:
„Mehr als alles Erfundene nämlich ist noch immer nicht genug.“ (Paul Wühr)
Das Werk Paul Wührs steht bis heute für maßgebliche Innovationen seit den 1960er-Jahren auf dem Gebiet der Poesie, der Prosa und auch des Hörspiels (für das er als einer der Pioniere die Form des O-Ton-Hörspiels entwickelte). Weiterlesen

Poesie im Cyberspace: Einleitung

EINLEITUNG

In Walter Gronds Essay-Sammlung Der Erzähler und der Cyberspace, einer kritischen Sichtung medien- und literaturtheoretischer Ansätze in ihrer gesellschaftlichen Relevanz, markieren die Autorpersönlichkeit und das Werk Paul Wührs einen besonderen Ort auf der Streckenkarte in eine Netzwerkkultur:
Nach Grond vollendet die Poesie Paul Wührs in der Vorwegnahme den Anspruch der Hypertextualität (‘Satzrisse’, ‘Verknotungen’, ‘Hierarchiezusammenbrüche’, ein Rhizom im Deleuze’schen Sinne) und bleibt als Poesie ‘ausser Zweifel’. So zeigt sie sich auch unbeeindruckt vom Wechsel der Techniken und in kühner Geschmeidigkeit wandelbar (vgl. die Paw-Stimme des Tagebuch-Eintrags Paul Wührs). Prekär wird die Verortung des Werks in der Charakterisierung von Salve Res Publica Poetica – parallel zu Finnegans Wake – als ‘Totalereignis’. Hier wird es für Grond als Bruch pointiert zum Dreh aus einer in den Möglichkeiten positiv verstandenen ‘Sackgasse’ hin zu erneuten ‘Selbstermächtigungen’ des Erzählens und ‘Geburt des Autors’ (vgl. die Text-Auszüge aus Cyberspace).
Gronds Vorstellungen einer ‘dritten Kultur’ vertreten in besonderem Maße einen rezeptionsästhetischen Anspruch: »Netzwerkkultur beinhaltet all die prägenden Momente der Moderne und Postmoderne, verstärkt und vollendet sie – die Technisierung der Sinne, die Umgestaltung von Raum und Zeit, die Auflösung des Meisterwerks gerade im Moment, als es am meisten gilt. Was zum revolutionären Kulturwandel führt, sind aber nicht die Maschinen, sondern deren Benützer – das Publikum, das seinen Rang einfordert.« (Cyberspace, S. 40 ) Weiterlesen

Paul Wühr: [Poesie und Technik]. Auszug aus dem Tagebuchprojekt Der wirre Zopf.

LE PIERLE: 20. Febbraio 1990, Martedi
PAW 

Wäre Poesie von dieser Welt, dann stürbe sie in jeder Generation. Dann hat Gutenberg in Mainz damals ihren Totenschein gedruckt in Metallbuchstaben. Das glaubt, wer sie in Zusammenhang bringt mit wechselnden Techniken ihrer Konkretion. Die Leute sollten sich nicht derart aufpausen. Wenn Neues Altes vernichtet, war dieses Alte keine Poesie. Diese stirbt mit keiner neuen Erfindung. Erfindungen sterben. Was bleibt, ist Poesie, in welcher Erfindung auch immer sie auftritt, diese bleibt mit ihr am Leben. In diesem amüsiert sich die Poesie ganz besonders mit ihren Todesanzeigen. Andererseits macht es ihr auch Spaß, wenn Technik sie verwertet, und sie hat nichts dagegen, wenn ein Heroe ein elektrisches Format bekommt, das ihn jedem Gartenzwerg gleichstellt. Im Hightech bleiben Gartenzwerge unter sich. Es verhält sich doch so: Die Poesie bekommt es niemals mit der Technik zu tun, aber diese mit ihr. Sie wälzt sich nicht um. Sie selber ist Revolution. Sie ordnet aber diese nicht an. Und niemand und nichts, auch keine Ordnung. Das macht sie wenig beliebt. Sie sorgt sich aber gar nicht um die Liebe. Und was ihre Liebhaber angeht, da lobe ich aus der Theologie den Begriff heim in die Poesie, der hier gilt: Auserwählung. Der Augustinus muß hergeben, was er einmal gestohlen, damit sich die große Menge in geziemendem Abstand hält, wenn Poesie ihre Auftritte hat. Sie selber hat keine ungeziemende Sehnsucht nach weiteren Liebhabern. Ihr genügt, was prädestiniert ist. Sie ist keine Heimat. In sie kehrt man auch nicht zurück. Dort ist man schon immer gewesen oder wird niemals dort sein.

Erstveröffentlichung unter www.paul-wuehr.de, 2000