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Geschenke für Mitglieder und neue Mitglieder

Wir konnten beim Hanser Verlag für die PWG einen Posten des wunderbaren Buches (und schön gestalteten Bandes – mit Schuber!) »Der faule Strick« erwerben und bieten allen Mitgliedern und neuen Mitgliedern an, aus folgendem Angebot (solange Vorrat reicht) ein Stück auszuwählen und gratis zu beziehen:

a) Der faule Strick, 715 S., Hanser, 1987 (einmalige und signierte Ausgabe, beim Verlag vergriffen).

b) Ob. Gedichte, 45 S., Verlag Klaus G. Renner, 1991 (limitierte Auflage, signiert, vergriffen).

c) Ich unterstehe mich. Gedichte. Gelesen von Paul Wühr. 75 Min., CD, Audio Verlag, 1998 (vergr.).

d) Paul Wühr liest Venus im Pudel. Gedichte. CD, Mono, Laufzeit ca. 78 Minuten. Verlag Autorenbuchhandlung 2000

 Bitte fordern Sie ihr Wunschexemplar per Mail oder postalisch (siehe Impressum) an.

Paul Wühr: Wiener Vorlesungen zur Literatur

Paul Wühr: Das Falsche und die Lüge. (Wiener Vorlesungen, Teil 1)

Paul Wühr: Authentizität und Fiktion. Über das O-Ton-Hörspiel. (Wiener Vorlesungen, Teil 2)

Paul Wühr: Anmerkungen zur Poesie. (Wiener Vorlesungen, Teil 3)

Der Text richtet sich nach:

Paul Wühr: Das Lachen eines Falschen. Wiener Vorlesungen zur Literatur. Mit Bildern von Jürgen Wolf. München (K. Kieser Verlag, écart 1) 2002.

Wir danken dem Verlag für die Genehmigung der Wiedergabe.

Paul Wühr: Das Falsche und die Lüge. (Wiener Vorlesungen, Teil 1)

Wie er, der Rhetor – nach Plato: der Fälscher -, es denn gerne hätte, fragt sich dieser in der Öffentlichkeit und erwidert: falsch, entsprechend dem Verdikt, und von Anfang an in veröffentlichter Ambivalenz; schwankend also oder schaukelnd, dann und wann auch rotierend: weil es sich um die Wörter dreht. Vor allem dreht es sich hier um das Wort: falsch, wenn ein Falscher spricht, und ein solcher sagt zuerst einmal, daß er ein Falscher nicht bleiben darf, und zwar in jedem Fall, weil er sonst ein richtiger Falscher zu werden droht: und damit wäre er etwas Richtiges geworden, was dem Falschen nur schlecht stehen kann. Stehenbleiben kann ein Falscher nicht, wie gesagt, auch nicht im Falschen: er muß in Bewegung bleiben, er kann sich nirgendwo niederlassen in seiner Rede, die, wenn sie die schwankende, schaukelnde oder gar rotierende Rede ist, von sich sagen kann, sie sei Poesie, oder bescheidener: so wie sie in etwa sei auch die Poesie, nämlich etwas Falsches. Weiterlesen

Paul Wühr: Authentizität und Fiktion. Über das O-Ton-Hörspiel. (Wiener Vorlesungen, Teil 2)

Meine auf Gegenmünchen folgenden Originalton-Hörspiele sind eng mit diesem Poem verbunden. Ich versuchte 1970 – in Zusammenarbeit mit Christoph Buggert, damals freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks – das Buch als Hörspiel einzurichten. Das lag nahe, weil es sich bei Gegenmünchen um eine Komposition aus vielen dramatischen, epischen und lyrischen Figurationen handelt, also insgesamt um ein Gedicht. Ich dachte damals an einen Sternmarsch zum Nockherberg, dem Biersanktuarium Münchens, insbesondere ging ich von einem Beispiel im Buch aus, nämlich dem Demonstrationszug der Positivisten. Doch schon bald mußte ich einsehen, daß alle Dokumente des Jahres 1968, die ich in Gegenmünchen verarbeitet hatte, weitgehend ihren dokumentarischen Charakter einbüßten, wenn sie von ausgebildeten Sprechern hörbar gemacht würden. Diese Einsicht lähmte. Die Übersetzung von Teilen Gegenmünchens in ein Hörspiel und eine entsprechende Weiterarbeit im Stile des Buches wurden aufgegeben. Erfahrungen in der Arbeit mit Originalton-Hörspielen gab es damals kaum. Ich kannte kein Spiel dieser Art. Ich wußte nicht weiter. Da gab Christoph Buggert den entscheidenden Impuls: Ich sollte mir mit Tonbandaufnahmen das Ausgangsmaterial für ein Hörspiel selbst verschaffen. Weiterlesen

Paul Wühr: Anmerkungen zur Poesie. (Wiener Vorlesungen, Teil 3)

Auch in dieser dritten Vorlesung wird auf einen geordneten Vortrag Verzicht geleistet werden müssen – nicht unbedingt aber auf Zusammenstöße, Überschneidungen, Blindstellen, Mißverständnisse, Ausfälle, Fehler -, auf Fehler insbesondere und überhaupt auf ganz Falsches schon gar nicht; im übrigen auch sonst nicht. Da wäre ich also wieder bei der Poesie, meinem Thema. Mit ihm will ich mich, stotternd im Geiste des Magus in Norden: mit der ursprünglichen Unordnung – deren Herstellung mit Sicherheit mißlingen wird (ein heuchelndes Futur: denn das wußte ich bei der Abfassung dieses Satzes schon) -, die aber mein erster und fortlaufender Fehler sein muß, da ich mich noch nicht im Stande der restlosen Unvollkommenheit befinde – in meine Gedankengänge verirren. Weiterlesen

Poesie im Cyberspace: Einleitung

EINLEITUNG

In Walter Gronds Essay-Sammlung Der Erzähler und der Cyberspace, einer kritischen Sichtung medien- und literaturtheoretischer Ansätze in ihrer gesellschaftlichen Relevanz, markieren die Autorpersönlichkeit und das Werk Paul Wührs einen besonderen Ort auf der Streckenkarte in eine Netzwerkkultur:
Nach Grond vollendet die Poesie Paul Wührs in der Vorwegnahme den Anspruch der Hypertextualität (‚Satzrisse‘, ‚Verknotungen‘, ‚Hierarchiezusammenbrüche‘, ein Rhizom im Deleuze’schen Sinne) und bleibt als Poesie ‚ausser Zweifel‘. So zeigt sie sich auch unbeeindruckt vom Wechsel der Techniken und in kühner Geschmeidigkeit wandelbar (vgl. die Paw-Stimme des Tagebuch-Eintrags Paul Wührs). Prekär wird die Verortung des Werks in der Charakterisierung von Salve Res Publica Poetica – parallel zu Finnegans Wake – als ‚Totalereignis‘. Hier wird es für Grond als Bruch pointiert zum Dreh aus einer in den Möglichkeiten positiv verstandenen ‚Sackgasse‘ hin zu erneuten ‚Selbstermächtigungen‘ des Erzählens und ‚Geburt des Autors‘ (vgl. die Text-Auszüge aus Cyberspace).
Gronds Vorstellungen einer ‚dritten Kultur‘ vertreten in besonderem Maße einen rezeptionsästhetischen Anspruch: »Netzwerkkultur beinhaltet all die prägenden Momente der Moderne und Postmoderne, verstärkt und vollendet sie – die Technisierung der Sinne, die Umgestaltung von Raum und Zeit, die Auflösung des Meisterwerks gerade im Moment, als es am meisten gilt. Was zum revolutionären Kulturwandel führt, sind aber nicht die Maschinen, sondern deren Benützer – das Publikum, das seinen Rang einfordert.« (Cyberspace, S. 40 ) Weiterlesen

Paul Wühr: [Poesie und Technik]. Auszug aus dem Tagebuchprojekt Der wirre Zopf.

LE PIERLE: 20. Febbraio 1990, Martedi
PAW 

Wäre Poesie von dieser Welt, dann stürbe sie in jeder Generation. Dann hat Gutenberg in Mainz damals ihren Totenschein gedruckt in Metallbuchstaben. Das glaubt, wer sie in Zusammenhang bringt mit wechselnden Techniken ihrer Konkretion. Die Leute sollten sich nicht derart aufpausen. Wenn Neues Altes vernichtet, war dieses Alte keine Poesie. Diese stirbt mit keiner neuen Erfindung. Erfindungen sterben. Was bleibt, ist Poesie, in welcher Erfindung auch immer sie auftritt, diese bleibt mit ihr am Leben. In diesem amüsiert sich die Poesie ganz besonders mit ihren Todesanzeigen. Andererseits macht es ihr auch Spaß, wenn Technik sie verwertet, und sie hat nichts dagegen, wenn ein Heroe ein elektrisches Format bekommt, das ihn jedem Gartenzwerg gleichstellt. Im Hightech bleiben Gartenzwerge unter sich. Es verhält sich doch so: Die Poesie bekommt es niemals mit der Technik zu tun, aber diese mit ihr. Sie wälzt sich nicht um. Sie selber ist Revolution. Sie ordnet aber diese nicht an. Und niemand und nichts, auch keine Ordnung. Das macht sie wenig beliebt. Sie sorgt sich aber gar nicht um die Liebe. Und was ihre Liebhaber angeht, da lobe ich aus der Theologie den Begriff heim in die Poesie, der hier gilt: Auserwählung. Der Augustinus muß hergeben, was er einmal gestohlen, damit sich die große Menge in geziemendem Abstand hält, wenn Poesie ihre Auftritte hat. Sie selber hat keine ungeziemende Sehnsucht nach weiteren Liebhabern. Ihr genügt, was prädestiniert ist. Sie ist keine Heimat. In sie kehrt man auch nicht zurück. Dort ist man schon immer gewesen oder wird niemals dort sein.

Erstveröffentlichung unter www.paul-wuehr.de, 2000